Mich interessiert, was Maler des 17. Jahrhunderts gesehen haben, wenn sie durch eine Camera obscura geschaut haben. Sehe ich, wenn ich durch die Lochkamera schaue, die heutige Zeit wie im 17. Jahrhundert? Oder sieht alles aus wie um 1900, weil die Optik noch nicht perfektioniert war - oder wie in den 80er Jahren: wer konnte sich in der DDR einen Farbfilm leisten?
Tatsächlich kommt diese Urform der Fotografie ganz ohne moderne Linsen aus – das Licht fällt ausschließlich durch eine winzige Öffnung, die die Außenwelt als fertiges Abbild ins Innere der Kamera wirft. Es ist kein technischer Makel. Es ist das pure Gesetz der Optik, das diese charakteristische, träumerische Unschärfe erschafft.
Mit der Camera obscura kann ich erkennen, dass Fotos nicht die Realität abbilden, sondern ein Zeitgefühl. Auch mit Fotos kann man nicht nicht gestalten. Jede Zeit hat ihre Ästhetik, die ganz unbedingt zu unserem Gefühl dieser Zeit gehört — der erste Weltkrieg ist schwarz weiß.
Es ist spannend zu sehen, was passiert, wenn ich eine Zeit festhalte mit einer Ästhetik, die woanders hingehört.